Montag, 23. Feb. 26
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Kün­di­gun­gen nach Über­nahme am Bernsteinsee

Nach den jüngs­ten Kün­di­gun­gen bei der Betrei­ber­ge­sell­schaft des Müh­len­mu­se­ums in Gif­horn im Zuge der Insol­venz der V&T Müh­len­mu­seum GmbH rücken nun erneut arbeits­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen in den Fokus in unse­rem Land­kreis. Ähn­li­che Ängste prä­gen der­zeit auch die Situa­tion am Hotel am Bern­stein­see in Stüde in der Gemeinde Sas­sen­burg.

Über­nahme durch Bel­villa und OYO

Zum 1. Januar 2026 wurde der Hotel­be­trieb am Bern­stein­see von der Feri­en­haus- und Hotel­gruppe Bel­villa über­nom­men. Bel­villa ist ein ursprüng­lich nie­der­län­di­sches Unter­neh­men, das sich auf die Ver­mie­tung von Feri­en­häu­sern und -woh­nun­gen in ganz Europa spe­zia­li­siert hat. Seit 2019 gehört Bel­villa zum inter­na­tio­na­len OYO-Kon­zern, einem 2013 in Indien gegrün­de­ten Hotel­un­ter­neh­men, das welt­weit Unter­künfte stan­dar­di­siert betreibt und vermarktet.

Die dama­li­gen Betrei­ber des Hotels hat­ten die Über­nahme öffent­lich als Chance dar­ge­stellt. Gegen­über Medien wurde betont, dass „alles so wei­ter­laufe wie bis­her“ und die Mit­ar­bei­ten­den über­nom­men wür­den. Diese Aus­sa­gen ste­hen nun im deut­li­chen Kon­trast zu den Erfah­run­gen eige­ner Beschäftigter.

Anonyme Vor­würfe eines Mitarbeiters

In einem anony­men Schrei­ben an unsere Wäh­ler­ge­mein­schaft schil­dert ein lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter ein ande­res Bild. So gibt es bei­spiels­weise unter­schied­li­che Sicht­wei­sen, wie und ob eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung bei Über­nahme erfol­gen sollte. In den neuen Arbeits­ver­trä­gen gibt es keine Über­nah­me­klau­seln! Auch soll es teils feh­ler­hafte Ver­träge gege­ben haben, die trotz mehr­fa­cher Hin­weise nicht kor­ri­giert wor­den seien.

Kri­ti­siert wird zudem die Kom­mu­ni­ka­tion des neuen Betrei­bers. Ansprech­part­ner seien nur spo­ra­disch vor Ort gewe­sen, E-Mails blie­ben über Wochen unbe­ant­wor­tet. Infor­ma­tio­nen zu mög­li­chen Ent­las­sun­gen hät­ten sich täg­lich wider­spro­chen. Auch bei Urlaubs­ta­gen und Gehalts­zah­lun­gen habe es Unstim­mig­kei­ten gege­ben; Löhne seien nicht immer pünkt­lich gezahlt worden.

Betriebs­be­dingte Kündigungen

Die Fol­gen die­ser Unsi­cher­heit sind gra­vie­rend: Nach Anga­ben des Mit­ar­bei­ters wurde – mit Aus­nahme der Gas­tro­no­mie – rund die Hälfte der Beleg­schaft zum 28. Februar 2026 betriebs­be­dingt gekün­digt. Teil­weise seien Kün­di­gun­gen sogar dop­pelt aus­ge­spro­chen wor­den, was auf man­gelnde Abstim­mung hin­deute. Viele der Betrof­fe­nen hät­ten jah­re­lang gerne am Bern­stein­see gear­bei­tet und fühl­ten sich nun unge­recht behandelt.

Wie sich die Zukunft des Hotels am Bern­stein­see unter Bel­villa ent­wi­ckeln wird, bleibt abzu­war­ten. Für die gekün­dig­ten Mit­ar­bei­ten­den jedoch ist die Über­nahme bereits jetzt mit tie­fen Ein­schnit­ten ver­bun­den – ein wei­te­res Bei­spiel dafür, wie struk­tu­relle Ver­än­de­run­gen in Unter­neh­men vor allem die Beschäf­tig­ten tref­fen.

Bis­he­ri­ger Betrei­ber nimmt bis­her keine Stellung 

Bis zur Ver­öf­fent­li­chung die­ses Bei­trags hat der Geschäfts­füh­rer der bis­he­ri­gen Betrei­ber­ge­sell­schaft eine Anfrage nicht beant­wor­tet. Die­sem war in der Debatte um die Ände­rung des Bebau­ungs­pla­nes (B-Pla­nes) am Bern­stein­see vor eini­gen Jah­ren die Zukunft und Beschäf­ti­gung der Mit­ar­bei­ter beson­ders wich­tig. Um eine Droh­ku­lisse auf­zu­bauen, wur­den sogar Mit­ar­bei­ter in die Gre­mi­en­sit­zun­gen "geschleift", wor­auf hin CDU, Grüne und SPD umfang­rei­che Zuge­ständ­nisse mach­ten. Oder war dies nur ein Vor­wand, um die eige­nen Inter­es­sen durchzusetzen?

Auch Bel­villa als die neue Betrei­ber­ge­sell­schaft, hat eine Anfrage bis­her eben­falls nicht beantwortet. 

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Bild­nach­weis © B.I.G.-Sassenburg

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