Kündigungen nach Übernahme am Bernsteinsee
Nach den jüngsten Kündigungen bei der Betreibergesellschaft des Mühlenmuseums in Gifhorn im Zuge der Insolvenz der V&T Mühlenmuseum GmbH rücken nun erneut arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen in den Fokus in unserem Landkreis. Ähnliche Ängste prägen derzeit auch die Situation am Hotel am Bernsteinsee in Stüde in der Gemeinde Sassenburg.
Übernahme durch Belvilla und OYO
Zum 1. Januar 2026 wurde der Hotelbetrieb am Bernsteinsee von der Ferienhaus- und Hotelgruppe Belvilla übernommen. Belvilla ist ein ursprünglich niederländisches Unternehmen, das sich auf die Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen in ganz Europa spezialisiert hat. Seit 2019 gehört Belvilla zum internationalen OYO-Konzern, einem 2013 in Indien gegründeten Hotelunternehmen, das weltweit Unterkünfte standardisiert betreibt und vermarktet.
Die damaligen Betreiber des Hotels hatten die Übernahme öffentlich als Chance dargestellt. Gegenüber Medien wurde betont, dass „alles so weiterlaufe wie bisher“ und die Mitarbeitenden übernommen würden. Diese Aussagen stehen nun im deutlichen Kontrast zu den Erfahrungen eigener Beschäftigter.
Anonyme Vorwürfe eines Mitarbeiters
In einem anonymen Schreiben an unsere Wählergemeinschaft schildert ein langjähriger Mitarbeiter ein anderes Bild. So gibt es beispielsweise unterschiedliche Sichtweisen, wie und ob eine Weiterbeschäftigung bei Übernahme erfolgen sollte. In den neuen Arbeitsverträgen gibt es keine Übernahmeklauseln! Auch soll es teils fehlerhafte Verträge gegeben haben, die trotz mehrfacher Hinweise nicht korrigiert worden seien.
Kritisiert wird zudem die Kommunikation des neuen Betreibers. Ansprechpartner seien nur sporadisch vor Ort gewesen, E-Mails blieben über Wochen unbeantwortet. Informationen zu möglichen Entlassungen hätten sich täglich widersprochen. Auch bei Urlaubstagen und Gehaltszahlungen habe es Unstimmigkeiten gegeben; Löhne seien nicht immer pünktlich gezahlt worden.
Betriebsbedingte Kündigungen
Die Folgen dieser Unsicherheit sind gravierend: Nach Angaben des Mitarbeiters wurde – mit Ausnahme der Gastronomie – rund die Hälfte der Belegschaft zum 28. Februar 2026 betriebsbedingt gekündigt. Teilweise seien Kündigungen sogar doppelt ausgesprochen worden, was auf mangelnde Abstimmung hindeute. Viele der Betroffenen hätten jahrelang gerne am Bernsteinsee gearbeitet und fühlten sich nun ungerecht behandelt.
Wie sich die Zukunft des Hotels am Bernsteinsee unter Belvilla entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Für die gekündigten Mitarbeitenden jedoch ist die Übernahme bereits jetzt mit tiefen Einschnitten verbunden – ein weiteres Beispiel dafür, wie strukturelle Veränderungen in Unternehmen vor allem die Beschäftigten treffen.
Bisheriger Betreiber nimmt bisher keine Stellung
Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags hat der Geschäftsführer der bisherigen Betreibergesellschaft eine Anfrage nicht beantwortet. Diesem war in der Debatte um die Änderung des Bebauungsplanes (B-Planes) am Bernsteinsee vor einigen Jahren die Zukunft und Beschäftigung der Mitarbeiter besonders wichtig. Um eine Drohkulisse aufzubauen, wurden sogar Mitarbeiter in die Gremiensitzungen "geschleift", worauf hin CDU, Grüne und SPD umfangreiche Zugeständnisse machten. Oder war dies nur ein Vorwand, um die eigenen Interessen durchzusetzen?
Auch Belvilla als die neue Betreibergesellschaft, hat eine Anfrage bisher ebenfalls nicht beantwortet.
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