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Mehr­heit erteilt Pla­nungs­auf­trag für neue FTZ

Rot-grüne Mehr­heit erteilt Pla­nungs­auf­trag für Bevölkerungsschutzzentrum

Der Kreis­tag hat mit der Mehr­heit von SPD und Grü­nen den Pla­nungs­auf­trag für das soge­nannte Bevöl­ke­rungs­schutz­zen­trum (FTZ) beschlos­sen. Damit wird die Vari­ante „Neu­bau im Bestand“ wei­ter­ver­folgt – trotz erheb­li­cher finan­zi­el­ler und pla­ne­ri­scher Risi­ken.

Keine Mehr­heit fand hin­ge­gen der Ände­rungs­an­trag der CDU-Frak­tion, zusätz­lich eine vierte Vari­ante zu unter­su­chen: einen Neu­bau auf der „grü­nen Wiese“ im neuen Gewer­be­ge­biet in Gam­sen. Eine sol­che Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung hätte die Mög­lich­keit eröff­net, ver­schie­dene Stand­orte und Kon­zepte objek­tiv mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Diese Chance wurde nun vertan.

Damit bleibt es bei der bis­he­ri­gen Vor­zugs­va­ri­ante auf dem bestehen­den Gelände – mit allen bekann­ten Her­aus­for­de­run­gen und Unsi­cher­hei­ten. Beson­ders kri­tisch sind die ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten von rund 50 Mil­lio­nen Euro. Ange­sichts der ange­spann­ten Finanz­lage des Land­krei­ses erscheint ein Pro­jekt die­ser Grö­ßen­ord­nung kaum verantwortbar.

Die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che: Der Haus­halts­ab­schluss 2024 weist bereits ein Defi­zit von 23 Mil­lio­nen Euro aus. Für das Jahr 2026 wird sogar ein mög­li­ches Defi­zit von rund 30 Mil­lio­nen Euro pro­gnos­ti­ziert. Das sind alar­mie­rende Ent­wick­lun­gen, die eigent­lich höchste Zurück­hal­tung bei neuen Groß­pro­jek­ten erfordern.

Selbst­ver­ständ­lich benö­tigt der Land­kreis eine leis­tungs­fä­hige Feu­er­wehr­tech­ni­sche Zen­trale. Die ent­schei­dende Frage ist jedoch, ob ein Bau­pro­jekt in die­ser Grö­ßen­ord­nung zum jet­zi­gen Zeit­punkt finan­zi­ell tragbar ist und ob alle wirt­schaft­lich sinn­vol­len Alter­na­ti­ven aus­rei­chend geprüft wurden.

Gerade in Zei­ten wach­sen­der finan­zi­el­ler Belas­tun­gen für Kom­mu­nen sollte der Grund­satz gel­ten: Pflicht­auf­ga­ben sichern, Risi­ken mini­mie­ren und mit Steu­er­geld ver­ant­wor­tungs­voll umge­hen. Die­ser Anspruch wurde mit der heu­ti­gen Ent­schei­dung aus unse­rer Sicht nicht erfüllt.

Der Rede­bei­trag im Detail:

Sehr geehr­ter Herr Land­rat, sehr geehr­ter Herr Vor­sit­zen­der, sehr geehrte Zuhörer,

der moderne Name „Bevöl­ke­rungs­schutz­zen­trum“ täuscht aus mei­ner Sicht über den tat­säch­li­chen Cha­rak­ter und Nut­zen die­ser Ein­rich­tung hin­weg. Denn genau die Bevöl­ke­rung, deren Schutz der Name sug­ge­riert, wird dort in einer Kri­sen- oder gar Kriegs­lage keine Zuflucht fin­den. Es han­delt sich im Kern wei­ter­hin um eine feu­er­wehr­tech­ni­sche Ein­rich­tung des Land­krei­ses – eine Feu­er­wehr­tech­ni­sche Zen­trale. So wird es auch in der zugrunde lie­gen­den Mach­bar­keits­stu­die beschrieben.

Gerade des­halb halte ich die gewählte Bezeich­nung für pro­ble­ma­tisch. In Zei­ten, in denen immer häu­fi­ger über Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit, Auf­rüs­tung und mili­tä­ri­sche Bedro­hung gespro­chen wird, ent­steht bei vie­len Men­schen der Ein­druck, es ent­stehe hier ein Ort, der unmit­tel­bar dem Schutz der Bevöl­ke­rung dient. Tat­säch­lich ist dies jedoch nicht der Fall.

Wenn poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger ver­stärkt auf Bedro­hungs­sze­na­rien ver­wei­sen und hohe Sum­men mit dem Argu­ment der Ver­tei­di­gung recht­fer­ti­gen, dann müsste der tat­säch­li­che Schutz der Bevöl­ke­rung eine deut­lich grö­ßere Rolle spie­len. Dazu gehö­ren bei­spiels­weise Schutz­räume, funk­tio­nie­rende Warn­sys­teme, eine belast­bare Infra­struk­tur und Maß­nah­men, die den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern unmit­tel­bar zugutekommen.

Hinzu kom­men die erheb­li­chen Kos­ten von rund 50 Mil­lio­nen Euro. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass zumin­dest Teile die­ser Summe über die neuen kre­dit­fi­nan­zier­ten Son­der­ver­mö­gen des Bun­des ermög­licht wer­den. Diese Mit­tel wur­den der Öffent­lich­keit vor allem mit dem Ziel ver­mit­telt, die Infra­struk­tur zu stär­ken und die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zu fördern.

Natür­lich kann eine moderne Feu­er­wehr­tech­ni­sche Zen­trale sinn­voll und not­wen­dig sein. Die Frage ist jedoch, ob die geplante Aus­ge­stal­tung und die damit ver­bun­de­nen Kos­ten in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zum tat­säch­li­chen Nut­zen für die breite Bevöl­ke­rung ste­hen. Aus mei­ner Sicht droht hier ein Pres­ti­ge­pro­jekt zu ent­ste­hen, des­sen unmit­tel­ba­rer Mehr­wert für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger begrenzt bleibt.

Des­halb soll­ten wir ehr­lich benen­nen, wor­über wir heute ent­schei­den: nicht über ein Bevöl­ke­rungs­schutz­zen­trum im eigent­li­chen Sinne, son­dern über eine hoch­mo­derne Feu­er­wehr­tech­ni­sche Zen­trale. Eine sach­li­che Debatte braucht Klar­heit – bei den Kos­ten, bei den Zie­len und auch bei den Begrif­fen.

Vie­len Dank.

Andreas Kau­t­zsch

Gül­tig ist das gespro­chene Wort in der Sitzung 

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