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Rot-Grüne Mehr­heit stellt Blan­ko­scheck für För­der­schule aus

Mit den Stim­men von SPD und Grü­nen hat der Kreis­tag den Weg für den Neu­bau der För­der­schule Geis­tige Ent­wick­lung in Wit­tin­gen frei­ge­macht – und das offen­bar unab­hän­gig von den tat­säch­li­chen End­kos­ten.

Die rot-grüne Mehr­heit hat beschlos­sen, die erfor­der­li­chen Mit­tel auch in den kom­men­den Haus­hal­ten bereit­zu­stel­len. Damit erhält das Pro­jekt fak­tisch einen Blan­ko­scheck, obwohl bereits heute von rund 34 Mil­lio­nen Euro Bau­kos­ten für 84 Schul­plätze aus­ge­gan­gen wird.

Keine Mehr­heit fan­den die Ände­rungs­an­träge der CDU- und AfD-Frak­tion, die dar­auf abziel­ten, zunächst belast­bare Kos­ten­er­mitt­lun­gen vor­zu­le­gen und die Kos­ten­ent­wick­lung stär­ker zu begren­zen und zu kontrollieren.

In der Debatte wur­den unsere Hin­weise auf die enor­men Kos­ten sowie der Ver­gleich der Inves­ti­ti­ons­summe mit der Zahl der Schul­plätze von Ver­tre­tern der Grü­nen als „zynisch“ bezeich­net. Wir sehen das anders.

Zynisch ist nicht, auf Kos­ten hin­zu­wei­sen. Zynisch wäre es, den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern vor­zu­gau­keln, dass der Land­kreis sich Pro­jekte die­ser Grö­ßen­ord­nung ohne kri­ti­sche Prü­fung und ohne klare Kos­ten­ober­gren­zen leis­ten kann.

Selbst­ver­ständ­lich lässt sich der Wert einer För­der­schule nicht auf einen Preis pro Schul­platz redu­zie­ren. Der Ver­gleich ver­deut­licht jedoch die Dimen­sion der Inves­ti­tion und die Ver­ant­wor­tung, die die Poli­tik gegen­über den Steu­er­zah­lern hat.

Gerade die Erfah­run­gen beim Bau der För­der­schule in Mei­ner­sen zei­gen, dass erheb­li­che Kos­ten­stei­ge­run­gen und Ter­min­ver­zö­ge­run­gen kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen sind. Umso wich­ti­ger wäre es gewe­sen, vor wei­te­ren Beschlüs­sen alle Alter­na­ti­ven sorg­fäl­tig zu prü­fen und die Kos­ten­ri­si­ken trans­pa­rent dar­zu­stel­len. Gute Bil­dung für Kin­der mit beson­de­rem För­der­be­darf ist wich­tig. Genauso wich­tig ist jedoch die Frage, ob Steu­er­gel­der wirt­schaft­lich und ver­ant­wor­tungs­voll ein­ge­setzt werden.

Der Rede­bei­trag im Detail:

Sehr geehr­ter Herr Land­rat, sehr geehr­ter Herr Vor­sit­zen­der, sehr geehrte Zuhörer,

heute lie­gen zum ers­ten Mal die Zah­len für den Neu­bau der För­der­schule in Wit­tin­gen auf dem Tisch – und sie bestä­ti­gen lei­der unsere dama­li­gen Beden­ken. Nach der der­zei­ti­gen Pla­nung soll die neue För­der­schule mit dem Schwer­punkt Geis­tige Ent­wick­lung in Wit­tin­gen rund 34 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Für ins­ge­samt 84 Schul­plätze.

Selbst­ver­ständ­lich darf man die Kos­ten eines Schul­ge­bäu­des nicht ein­fach durch die Zahl der Schul­plätze tei­len. Das wäre zu kurz gegrif­fen. Aber diese Rech­nung ver­deut­licht die Grö­ßen­ord­nung: Wir spre­chen von rund 405.000 Euro pro Schul­platz. Unge­fähr das 20-fache eines nor­ma­len Schul­plat­zes.

Und dabei müs­sen wir ehr­lich sein: Die Erfah­rung im Land­kreis zeigt, dass sol­che Pro­jekte sel­ten güns­ti­ger wer­den. Der Bau der För­der­schule in Mei­ner­sen hat ein­drucks­voll vor Augen geführt, dass erheb­li­che Kos­ten­stei­ge­run­gen und Ter­min­ver­zö­ge­run­gen kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen sind. Im Gegen­teil: sie sind bei Bau­pro­jek­ten die­ser Grö­ßen­ord­nung lei­der eher die Regel als die Ausnahme.

Wir haben schon im Januar bei den Bera­tun­gen im Kreis­tag dar­auf hin­ge­wie­sen, dass belast­bare Zah­len fehl­ten, trans­pa­rente Kal­ku­la­tio­nen nicht vor­la­gen und nie­mand seriös sagen konnte, wel­che Fol­ge­kos­ten tat­säch­lich ent­ste­hen wür­den.

Heute ken­nen wir zumin­dest die Grö­ßen­ord­nung des Neu­baus. Und genau des­halb müs­sen wir uns die Frage gefal­len las­sen, ob wir aus­rei­chend Alter­na­ti­ven geprüft haben.

Es geht darum, ver­ant­wor­tungs­voll mit den finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten unse­res Land­krei­ses umzu­ge­hen. 34 Mil­lio­nen Euro sind kein abs­trak­ter Betrag. Es sind Steu­er­gel­der unse­rer Bür­ge­rin­nen und Bürger.

Wir als Kreis­tag tra­gen Ver­ant­wor­tung – nicht nur für gute päd­ago­gi­sche Bedin­gun­gen, son­dern auch für einen wirt­schaft­li­chen und nach­hal­ti­gen Umgang mit öffent­li­chen Mit­teln. Solange dies für mich nicht ersicht­lich ist, werde ich wie in der Ver­gan­gen­heit gesche­hen, dem Pro­jekt nicht zustimmen.

Vie­len Dank.

Andreas Kau­t­zsch

Gül­tig ist das gespro­chene Wort in der Sitzung

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