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Tier­schutz­fall in Brome kos­tet bis­her schon 186.000 Euro

Der Kreis­tag des Land­krei­ses Gif­horn hat in sei­ner jüngs­ten Sit­zung mit gro­ßer Mehr­heit einer außer­plan­mä­ßi­gen Aus­gabe von 200.000 Euro im Bereich Tier­schutz zuge­stimmt. Hin­ter­grund sind ins­be­son­dere die erheb­li­chen Kos­ten, die durch den Tier­schutz­fall in Brome ent­stan­den sind.

Die 67 Hunde, die auf­grund schwe­rer Tier­schutz­ver­stöße beschlag­nahmt wur­den, dür­fen inzwi­schen offi­zi­ell ver­mit­telt wer­den. Nach einer Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts kön­nen die Tiere an geeig­nete Hal­ter wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Der­zeit sind sie in ver­schie­de­nen Tier­hei­men und Ein­rich­tun­gen im gesam­ten Bun­des­ge­biet untergebracht.

Allein die­ser Fall hat den Land­kreis bis­lang rund 186.000 Euro gekos­tet. Wei­tere Aus­ga­ben wer­den fol­gen, da noch nicht alle Tiere ver­mit­telt sind und wei­ter­hin Kos­ten für Unter­brin­gung, Pflege und tier­ärzt­li­che Ver­sor­gung anfallen.

Selbst­ver­ständ­lich steht außer Frage, dass Tiere bei Ver­stö­ßen gegen das Tier­schutz­ge­setz geschützt wer­den müs­sen. Der Land­kreis ist hier zum Han­deln ver­pflich­tet. Den­noch muss auch die finan­zi­elle Dimen­sion sol­cher Maß­nah­men offen ange­spro­chen werden.

Die Ver­wal­tung ver­weist dar­auf, dass die ent­stan­de­nen Kos­ten dem Tier­hal­ter in Rech­nung gestellt wer­den. Falls erfor­der­lich, sol­len die For­de­run­gen auch voll­streckt wer­den. Ange­sichts der mitt­ler­weile erreich­ten Summe erscheint jedoch frag­lich, ob die Kos­ten tat­säch­lich in nen­nens­wer­tem Umfang zurück­ge­führt wer­den kön­nen. Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass letzt­lich ein Groß­teil der Aus­ga­ben von den Steu­er­zah­lern getra­gen wer­den muss.

Wir haben des­halb im Kreis­tag erneut auf offene Fra­gen hin­ge­wie­sen. Bereits in der Ver­gan­gen­heit hat­ten wir Beden­ken hin­sicht­lich der Trans­pa­renz bei der Abwick­lung von Tier­schutz­fäl­len sowie mög­li­cher Inter­es­sen­kon­flikte im Umfeld von Auf­trag­neh­mern des Land­krei­ses geäu­ßert. Diese Fra­gen sind aus unse­rer Sicht bis heute nicht aus­rei­chend beant­wor­tet worden.

Gerade wenn inner­halb weni­ger Monate zusätz­li­che Mit­tel in Höhe von 200.000 Euro bereit­ge­stellt wer­den müs­sen und die Gesamt­kos­ten ein­zel­ner Fälle sechs­stel­lige Beträge errei­chen, erwar­ten wir eine lücken­lose Trans­pa­renz über die Mit­tel­ver­wen­dung sowie eine kon­se­quente Ein­hal­tung aller Com­pli­ance-Regeln.

Tier­schutz ist eine wich­tige gesell­schaft­li­che Auf­gabe. Er darf jedoch nicht dazu füh­ren, dass berech­tigte Fra­gen nach Wirt­schaft­lich­keit, Kon­trolle und Trans­pa­renz aus­ge­blen­det wer­den. Wer öffent­li­che Gel­der ein­setzt, muss auch bereit sein, öffent­lich Rechen­schaft über deren Ver­wen­dung abzulegen.

Trotz unse­rer vor­ge­tra­ge­nen Beden­ken hat der Kreis­tag die Erhö­hung des Bud­gets mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen.

Der Rede­bei­trag:

Sehr geehr­ter Herr Land­rat, sehr geehr­ter Herr Vor­sit­zen­der, sehr geehrte Zuhörer,

heute sol­len wir schon wie­der einer außer­plan­mä­ßi­gen Aus­gabe im Bereich Tier­schutz zustimmen.

Der ursprüng­li­che Haus­halts­an­satz betrug 90.000 Euro. Inzwi­schen wer­den zusätz­li­che Mit­tel in Höhe von 200.000 Euro benö­tigt. Haupt­ur­sa­che hier­für ist der Tier­schutz­fall Brome, der nach aktu­el­lem Stand bereits Kos­ten von rund 186.000 Euro ver­ur­sacht hat.

Und dabei wird es vor­aus­sicht­lich nicht blei­ben. Wei­tere Kos­ten wer­den ent­ste­hen – abhän­gig vom Erfolg der Ver­mitt­lung der Tiere sowie von den fort­lau­fen­den Auf­wen­dun­gen für Unter­brin­gung, Pflege und tier­ärzt­li­che Ver­sor­gung der noch nicht ver­mit­tel­ten Tiere.

Selbst­ver­ständ­lich ist Tier­schutz eine wich­tige Auf­gabe des Land­krei­ses. Wenn Tiere lei­den, muss gehan­delt wer­den. Daran besteht für mich kei­ner­lei Zwei­fel. Aller­dings haben wir auch die Pflicht, ver­ant­wor­tungs­voll mit dem Geld der Steu­er­zah­ler umzugehen.

Die Ver­wal­tung weist dar­auf hin, dass die ent­stan­de­nen Kos­ten dem Tier­hal­ter in Rech­nung gestellt und gege­be­nen­falls voll­streckt wer­den. Das ist recht­lich kor­rekt. Gleich­zei­tig muss aber auch aus­ge­spro­chen wer­den, dass ange­sichts der Höhe der For­de­run­gen die Erfolgs­aus­sich­ten einer Voll­stre­ckung äußerst gering erscheinen.

Die Rea­li­tät wird daher ver­mut­lich sein, dass der über­wie­gende Teil die­ser Kos­ten letzt­lich von den Steu­er­zah­lern getra­gen wer­den muss.

Bereits in der Kreis­tags­sit­zung im Dezem­ber habe ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es im Umfeld der beauf­trag­ten Leis­tungs­er­brin­ger und der Zusam­men­ar­beit mit dem Vete­ri­när­amt erheb­li­che Fra­gen gibt.

Ich habe damals kri­ti­siert, dass ein Auf­trag­neh­mer des Land­krei­ses in sozia­len Netz­wer­ken über ein­zelne Tier­schutz­fälle berich­tet und dabei Infor­ma­tio­nen ver­öf­fent­licht, die der Öffent­lich­keit eigent­lich nicht zugäng­lich sein sollten.

Ebenso habe ich auf per­so­nelle und pri­vate Ver­flech­tun­gen zwi­schen Mit­ar­bei­tern des Vete­ri­när­am­tes und dem Auf­trag­neh­mer hin­ge­wie­sen, die zumin­dest erheb­li­che Com­pli­ance-Fra­gen aufwerfen.

Bis heute sind diese Fra­gen aus mei­ner Sicht nicht zufrie­den­stel­lend beant­wor­tet worden.

Gerade wenn wir inzwi­schen über Sum­men spre­chen, die ein Mehr­fa­ches des ursprüng­li­chen Haus­halts­an­sat­zes betra­gen, erwarte ich von der Kreis­ver­wal­tung voll­stän­dige Trans­pa­renz, klare Kon­troll­me­cha­nis­men und eine lücken­lose Auf­klä­rung mög­li­cher Inter­es­sen­kon­flikte.

Denn eines darf nicht ent­ste­hen: der Ein­druck, dass mit Tier­schutz­maß­nah­men wirt­schaft­li­che Inter­es­sen ver­bun­den sind oder ein­zelne Akteure von sol­chen Fäl­len finan­zi­ell pro­fi­tie­ren kön­nen. Tier­schutz dient dem Wohl der Tiere und nicht der Schaf­fung von Geschäfts­mo­del­len.

Solange diese offe­nen Fra­gen nicht geklärt sind und die Ver­wal­tung keine über­zeu­gen­den Ant­wor­ten lie­fert, kann ich einer wei­te­ren Aus­wei­tung der Aus­ga­ben nicht zustimmen.

Vie­len Dank.

Andreas Kau­t­zsch

Gül­tig ist das gespro­chene Wort in der Sitzung!

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