Notruf 112: Rettungsleitstelle soll nach Braunschweig wechseln
Die Rettungsleitstelle des Landkreises Gifhorn soll künftig der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine zugeordnet werden. Grundlage dieser Empfehlung ist eine Nutzwertanalyse der Kreisverwaltung. Wir sehen die geplante Neuorganisation dennoch kritisch – denn bei einem Notruf können Sekunden und genaue Ortskenntnisse entscheidend sein.
In der Untersuchung wurden die Betriebssicherheit und die Qualität des Leitstellenbetriebes mit jeweils 40 Prozent gewichtet. Die Kosten flossen mit 20 Prozent in die Bewertung ein. Im Ergebnis erreicht die Regionalleitstelle Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine 4,74 von fünf Punkten. Die Regionalleitstelle Wolfsburg-Helmstedt folgt mit 4,46 Punkten. Der bisherige Heideverbund erreicht 3,1 Punkte.
Für Braunschweig sprechen nach Darstellung der Verwaltung insbesondere ein belastbares Personalausfallkonzept, schnell verfügbare zusätzliche Kräfte bei Großschadenslagen sowie umfangreiche Aus- und Fortbildungsangebote. Auch beim Qualitätsmanagement sieht die Analyse deutliche Vorteile. Die technische Ausfallsicherheit wird hingegen bei allen drei untersuchten Varianten gleichermaßen mit der Höchstpunktzahl bewertet.
Doch diese Vorteile haben ihren Preis: Die laufenden Betriebskosten für den Landkreis Gifhorn würden von derzeit rund 790.000 Euro im Heideverbund auf etwa 860.000 Euro pro Jahr steigen. Das entspricht einer Erhöhung um rund 9 Prozent. Hinzu kommen einmalige Übernahmekosten von voraussichtlich 375.000 Euro für technische Anpassungen, Datenmigration, Schulungen und Projektmanagement.
Aus unserer Sicht darf eine Entscheidung jedoch nicht allein anhand einer Punktetabelle getroffen werden. Gerade in Notfällen, bei Unwettern, Waldbränden oder größeren Krisenlagen sind Kenntnisse über örtliche Straßen, schwer auffindbare Gebäude, abgelegene Siedlungen, Zufahrtswege und besondere Gefahrenstellen von entscheidender Bedeutung. Eine größere Leitstelle ist nicht automatisch näher an den Menschen und den örtlichen Einsatzkräften.
Bevor eine endgültige Entscheidung fällt, muss deshalb nachvollziehbar dargestellt werden, wie die Ortskenntnisse aus dem Landkreis Gifhorn dauerhaft gesichert werden. Ebenso muss geklärt werden, ob die versprochenen Qualitätsvorteile tatsächlich messbar sind.
Beim Notruf 112 müssen Sicherheit, Qualität und regionale Kenntnisse gleichermaßen zählen.
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