Wes­ter­beck ein MEGA-Hot­spot im Land­kreis Gifhorn

Liebe Lesende,

lange Zeit habe ich das Agie­ren und die Ent­schei­dun­gen von Kreis, Land und Bund kom­men­tar­los hin­ge­nom­men. Jetzt ist der Punkt gekom­men, an dem ich als Rats­herr im Wes­ter­be­cker Orts­rat und Sas­sen­bur­ger Gemein­de­rat den Mund auf­ma­chen muss. 

Die­ser Bei­trag soll nicht dazu die­nen, die Corona-Pan­de­mie zu ver­harm­lo­sen oder anzu­zwei­feln bzw. Ver­schwö­rungs­theo­rien zu befeu­ern. Er soll viel­mehr auf die feh­lende Trans­pa­renz und die Hilf­lo­sig­keit der Ver­ant­wort­li­chen im Land­kreis Gif­horn auf­merk­sam machen und aufrütteln. 

Zwi­schen­zeit­lich hatte sich Wes­ter­beck zu einem MEGA-Hot­spot ent­wi­ckelt, weil hohe Infek­ti­ons­zah­len, u. a. in einer Ein­rich­tung und in Fami­lien, die sich an keine Regeln hal­ten wol­len, vor­han­den waren. Mitt­ler­weile sind im Wes­ter­be­cker Senio­ren- und Pfle­ge­zen­trum schon min. 25 Todes­op­fer im Zusam­men­hang mit der Corona-Pan­de­mie zu beklagen. 

In der Ort­schaft dreht diese Infor­ma­tion bereits die Runde. Von offi­zi­el­ler Seite fehlt der Mut, offen dar­über zu spre­chen. Weder von der Gemeinde, noch vom Land­kreis und erst recht nicht von der Presse wird dies the­ma­ti­siert. Mir reicht es nicht mehr, wenn über die Todes­fälle nur "Die Per­so­nen gehör­ten alle zu der Gruppe der älte­ren Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­gern und waren wohn­haft in einem Alten- und Pfle­ge­heim" berich­tet wird. 

Jede der dem Land­kreis ange­schlos­se­nen Ein­heits-, Samt­ge­mein­den und Städte erhält zwar regel­mä­ßig von der Land­kreis­ver­wal­tung die Fall­zah­len, wird aber zum Schwei­gen ver­don­nert. Beson­dere Geheim­nis­krä­me­rei - in den Zah­len sind aller­dings nicht die Fall­zah­len der loka­len Ein­rich­tun­gen enthalten. 

So kann es nicht weitergehen! 

Nur mit voll­stän­di­ger Trans­pa­renz und Offen­heit kann man Ver­trauen schaf­fen und eine Akzep­tanz für bes­sere ziel­ge­rich­te­tere, wir­kungs­vol­lere Maß­nah­men errei­chen. Bis­her wurde aus Hilf­lo­sig­keit ein rund 1.500 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßer Land­kreis flä­chen­de­ckend mit Maß­nah­men belegt. Eine ähn­li­che Hilf­lo­sig­keit scheint bei der Ver­län­ge­rung der Maß­nah­men von Bund und Län­dern zu bestehen. Wen wun­dert dann noch eine nach­las­sende Akzeptanz…

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Zwei­fel­hafte Rolle der Presse

Weil ich mich in der Sit­zung des Wes­ter­be­cker Orts­ra­tes Ende Dezem­ber 2020 bei der Ver­an­stal­tungs­pla­nung gegen eine gemein­same Durch­füh­rung eines Dorf­floh­mark­tes von Orts­rat und dem orts­an­säs­si­gen Senio­ren- und Pfle­ge­zen­trum im Som­mer die­sen Jah­res ent­schie­den habe, wurde ich in der Bericht­erstat­tung durch die Gif­hor­ner Rund­schau kritisiert. 

Meine Ent­schei­dung beruht auf der Erkennt­nis, wel­chem Risiko Bewoh­ner und Mit­ar­bei­ter einer sol­chen Ein­rich­tung in der Corona-Pan­de­mie aus­ge­setzt sind - mit oder ohne Imp­fung! Die Gif­hor­ner-Rund­schau beti­telt die dadurch ent­stan­dene nor­male poli­ti­sche Debatte in einer völ­lig über­zo­ge­nen und rei­ße­ri­schen Dar­stel­lung als „Zoff“, „Streit“ oder „Zwist“. Die trau­ri­gen Ereig­nisse zei­gen, dass es gut ist, eine andere Mei­nung zu haben und diese zu vertreten! 

Die Pres­se­frei­heit ist dazu da, in der Demo­kra­tie eine mög­lichst breite Mei­nungs­viel­falt zu garan­tie­ren. Mit der Bericht­erstat­tung der Gif­hor­ner Rund­schau soll aber genau diese Mei­nungs­viel­falt unter­drückt wer­den. Das Geschäfts­kon­zept der Gif­hor­ner Rund­schau, die inner­halb der Funke-Medi­en­gruppe erscheint, erwar­tet grund­sätz­lich in der öffent­li­chen und poli­ti­schen Debatte eine mög­lichst große „Har­mo­nie“.

Daher ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Print­me­dien im Land­kreis Gif­horn kaum offen über die Zustände in der Corona-Pan­de­mie berich­ten, die Hilf­lo­sig­keit des Land­rats hin­neh­men und schüt­zen. Warum wer­den die Fall­zah­len, die Lage der Hot­spots und die Maß­nah­men nicht kri­tisch hin­ter­fragt und trans­pa­rent berichtet?

Die Medien ver­ste­hen Kri­tik am Bes­ten durch die Kün­di­gung eines bestehen­den Abos. Mitt­ler­weile gibt es viele alte­ra­tive und vor allem kos­ten­lose Ange­bote, sich zu informieren. 

Andreas Kau­tzsch

Sym­bol­bild von Gerd Alt­mann auf Pixabay